Hier möchte ich kurz mein Einsatzland Argentinien, dessen Hauptstadt Buenos Aires und das Elendsviertel La Cava, aus dem die Projektkinder kommen, charakterisieren.
Argentinien ist für die meisten unter uns nicht viel mehr als Tango, Rindfleisch und Fußball. Aber das achtgrößte Land der Welt ist weit mehr ! In seiner bewegten jüngeren Geschichte hat es viel erlebt: Nach Putsch, der Diktatur Videlas und Freiheitskampf (unvergessen die „Mütter der Verschwundenen“, die Woche für Woche mit Kochtöpfen bewaffnet lärmend durch die Straßen von Buenos Aires zogen, um an das Unrecht und Leid ihrer Kinder zu erinnern) ist „das Land der sechs Kontinente“ – wie es aufgrund der zahlreichen Klima- und Vegetationszonen genannt wird – mittlerweile einen gefestigte Demokratie mit der Peronistin Cristina Kirchner als Staatsoberhaupt. Jedoch hat die katastrophale Wirtschatskrise von 2001 das Land zeitweise in Chaos und Anarchie gestürzt – und zu einer weitgehenden Verarmung der Mittelschicht geführt.
Buenos Aires ist eine typische südamerikanische Metropole: Hier leben rund 14 der insgesamt 39 Millionen Argentinier. Durch die Landflucht vieler Menschen, die sich mit einem Neuanfang in einer Millionenstadt ein besseres Leben erhoffen, kann man von einem Phänomen der „Superverstädterung“ sprechen. Nicht nur die Infrastruktur und die medizinische Versorgung sind überlastet, sondern auch aufgrund der ungleichen Verteilung des Reichtums endet für viele der Traum von einem besseren Leben in einem der vielen Elendsviertel, genannt „villas“. Somit steht nur ein kleiner Teil sehr reicher und mächtiger Menschen einem Großteil der argentinischen Bevölkerung, der in Not und Elend lebt, gegenüber. Eine Mittelschicht ist somit schon (fast) nicht mehr existent. Der Teufelskreis, dem die meisten Bewohner der Armensiedlungen unterworfen sind, spielt dabei auch eine große Rolle: Aufrgund ökonomischer Missstände innerhalb der Familie, häuslicher Gewalt und menschenunwürdigen Lebensbedingungen werden Kinder und Jugendliche an den Rand der Gesellschaft gedrängt und tendieren zu Kriminalität und/oder Drogensucht. Zudem brechen die meisten vorzeitig die Schule bzw. die Ausbildung ab und können daher ihre Lebensbdingungen nicht verbessern. Den meisten gelingt es nie, aus diesem Teufelskreis zu entkommen.
La Cava („die Höhle“), im nördlichen Ballungsraum von Buenos Aires gelegen – mitten in einem der wohlhabendsten Viertel Argentiniens namens San Isidro, ist eines der größten Elendsviertel der Stadt. Hier leben rund 12.000 Menschen, davon sind mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 20 Jahre. Nur ein verschwindend geringer Anteil (etwa 5% ) hat einen Schulabschluss. In La Cava leben in kleinen Bretterverschlägen mit Wellblechdach oft bis zu zwölf Personen (!) ohne fließend Wasser und/oder Strom, mindestens vier teilen sich ein Bett. Viele können nur als „cartoneros“ (Papier- und Müllsammler) etwas Geld verdienen.
Weitere Infos zu Argentinien findest du hier und zu Buenos Aires hier.

